In einer dreiteiligen Serie erzählt Juniorchef Christopher Reitz von seinem Weg bei REITZ Natursteintechnik – von der Kindheit in Steinbrüchen und der Produktion, über den Besonderheiten des Alltags eines Familienunternehmens, bis zu Menschen, die ihn geprägt haben.
Christopher Reitz mit Mutter Heike und Vater Egbert in Südafrika auf dem Weg zum Steinbruch
Nach allem, was sich in den letzten zehn Jahren entwickelt hat, wird mir eines besonders bewusst: In einem Familienunternehmen verschwimmen die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben. Bei uns war das nie anders – und genau darin sehe ich eine besondere Stärke.
Unsere Geschichte beginnt 1946 mit dem Steinbruch in Aßlar. Über die Steingewinnung & Grabmale entwickelte sich das Unternehmen weiter, bis mein Vater 1986 den mutigen Schritt wagte: den Wechsel vom klassischen Steinmetzbetrieb hin zu „technischen Steinen“, also Präzisionsgranite für den Maschinenbau. Aus einer Aufgabenstellung bei LEITZ in Wetzlar, wo mein Vater damals seine Ausbildung zum Industriemechaniker absolvierte, entstand die Idee, Naturstein als Werkstoff für hochpräzise Maschinenkomponenten zu nutzen. Der Kooperationsvertrag von 1987 besteht bis heute – und war der Grundstein für unsere Entwicklung zum Hightech-Unternehmen. Dieser Wandel war immer auch familiär getragen.
Mein Vater hat das Unternehmen strategisch weiterentwickelt, aber er war nie allein. Meine Mutter Heike stand ihm stets zur Seite. Sie betreute die Personalabteilung und hat im Hintergrund organisiert, mitgedacht und getragen – oft leise, aber mit enormer Wirkung. Ohne familiären Rückhalt wäre vieles nicht möglich gewesen. Auch meine Großeltern haben mit angepackt. Dieses Miteinander haben meine Schwester Franziska und ich von klein auf erlebt.
Heute merke ich jeden Tag, wie mich dieser Rückhalt und der gemeinsame Glaube an unser Familienunternehmen geprägt haben. Die Großeltern und meine Schwiegereltern sorgen auch heute noch regelmäßig für Entlastung. Ihre Erfahrungen und auch Ansichten sind für uns wertvoller denn je. Meine Frau Jannike verantwortet bei uns den Personalbereich. Sie bringt Struktur, Klarheit und Empathie ins Unternehmen. Auch sie verkörpert die Werte, die unser Handeln seit Generationen bestimmen.
Respekt, Wertschätzung und Integration sind für uns seit jeher die Grundpfeiler eines ehrlichen Umgangs miteinander. Ich bin mit dem Leitsatz aufgewachsen, andere so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte. Dieser Gedanke prägt mein Führungsverständnis bis heute.
Um unserem technologischen Anspruch gerecht zu werden, sind wir auf Spezialisten angewiesen, die mit Begeisterung und Know-how ihren Teil zu unserem Wachstum beitragen. Die Integration ins Unternehmen bedeutet für uns mehr als Einarbeitung. Wir begleiten Menschen bei der Wohnungssuche, bei Behördengängen oder Sprachkursen. Wir investieren bewusst in Aus- und Weiterbildung – und in Zeit, sich zu entwickeln. Diese Haltung hat dazu geführt, dass viele Kolleginnen und Kollegen uns über viele Jahre treu bleiben.
Mein Vater betrachtet Entscheidungen oft in Jahrzehnten – diese Perspektive habe ich übernommen. Investitionen in neue Maschinen, Digitalisierung oder Geschäftsbereiche wie Motion Systems sind deshalb immer auch Investitionen in Stabilität und Zukunftsfähigkeit.
Tradition und Innovation schließen sich nicht aus. Sie gehören zusammen. Der jahrtausendealte Werkstoff Stein trifft bei uns auf moderne Automatisierung und internationale Systemkompetenz. Unsere Wurzeln geben uns die nötige Stabilität, um in eine dynamische Zukunft zu investieren.
Unser Sohn wächst ganz selbstverständlich zwischen Halle, Büro und Familie auf. Für ihn ist das normal – so wie es für mich normal war. Ob er eines Tages seinen eigenen Weg im Unternehmen gehen möchte, wird er selbst entscheiden. Sicher ist nur: Die nächste Generation wächst bereits heran. Charlie bekommt bald ein Geschwisterchen. Unsere Geschichte geht also weiter.
Genau da schließt sich der Kreis. Familie und Unternehmen sind ein großes Miteinander. Und genau das macht uns stark.